

Morgens um sechs ist es am schönsten. Dann warten die Pferde mit gespitzten Ohren und leuchtenden Augen auf ihr Frühstück. Sie wiehern einem freudig entgegen. Es ist der perfekte Start in einen Tag auf dem Land. Wenn man mit Pferden wohnt.
Viele haben diesen einen Traum. Irgendwann raus aufs Land ziehen, in ein kleines Dorf, auf einen kleinen Bauernhof oder Kotten. So leben wie in den Filmen von Inga Lindström, Rosamunde Pilcher und Konsorten. Leben in traumhaft schönen Landhäuschen, mit holzgebeiztem Kachelofen, knarrenden Holzböden, rosenumrankter Haustür, umgeben von Apfelbäumen, Wäldern und Wiesen. Jeder vierte wünscht sich das laut einer Umfrage! Wie viele mögen es unter den Pferdebesitzern sein? Wie viele mögen wohl vom idyllischen Landpaket mit Pferd träumen? Wie viele wünschen sich morgens, nachdem der Wecker sie um halb sechs erbarmungslos aus dem molligen Bett gebimmelt hat, mit dem Wiehern der eigenen geliebten Pferde im eigenen Stall gleich hinterm Haus begrüßt zu werden? Wie viele wünschen sich, diesen Pferden abends vor dem Zubettgehen noch einmal den Hals zu klopfen oder sie einfach zufrieden grasen zu sehen? Laut einer Umfrage der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) 2002 waren es etwa 40 Prozent aller Pferde in Deutschland, die am Haus gehalten werden. Vorreiter ist der Norden.
Allein für die Entscheidung, sein Leben in der Provinz fortzuführen, gibt es allerlei Motive. Der vielgehegte Glaube, dass der Mensch auf dem Land besser, gesünder und ausgefüllter lebt, spielt sicher eine große Rolle. Es ist das heile-Welt-Image, das dem Stadtleben mit Lärm und schlechter Luft, viel Verkehr und hoher Anonymität gegenübersteht. Der Wunsch, das eigene Pferd gleich mitzunehmen, liegt dann auch nicht mehr ganz fern. Vielleicht haben einem aber auch gerade irgendwelche Menschen im Pensionsbetrieb die Laune vermiest – auch ein Grund, dort seine Sachen zu packen. „Das Hauptmotiv ist meines Erachtens die ersehnte Nähe zum Pferd als Haustier-Partner mit den Möglichkeiten, sowohl Umgang als auch zum Beispiel die Fütterung selbst und nach eigenem Gusto bestimmen zu können“, sagt Ingolf Bender. Er ist Experte in Sachen Pferdehaltung und Buchautor – in seinem Praxishandbuch Pferdehaltung geht er auch auf das Halten von Pferden in Eigenregie ein.
Für Leute mit zwei linken Händen ist die Eigenregie nichts. Und jeglichen Servicegedanken kann man sich auch aus dem Kopf schlagen. Das Leben mit dem Pferd, das ist etwas für Leute, die gerne selbst anpacken. Menschen, die selbst etwas schaffen wollen. Egal, ob das ein schief hängendes Brett in der Box, ein fehlender Nagel im Weidezaun ist oder das tägliche Ausmisten. Mit den eigenen Händen etwas zu schaffen – das befriedigt diese Menschen innerlich. Und noch dazu müssen sie sich von niemandem dreinreden lassen.
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